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Podcast Folge:
”Orgasmus”

Transkript der Folge:

Kurze Vorstellung der Sprecher und Themenvorstellung (20s)

Willkommen zu beingfemale. Ich heiße Maya und beschäftige mich gerne mit Sex und Gesundheit.

Heute geht es um den Höhepunkt bzw die Höhenpunkte? Oder Climax oder der ausgebliebene oder der gefakte Orgasmus. Also jedenfalls das, was wir beim Sex doch gerne erreichen möchten, aber eben nicht sein muss.

Die amerikanische Sexualforscherin Leonore Tiefer soll man gesagt haben, "Orgasm is only to let you know that sex is over." - Der Orgasmus ist dazu da, um zu wissen, dass der Sex vorbei ist. [1] 

Ich hoffe, nach dem Podcast seid ihr nicht dieser Meinung.

“What the Fuck tencheck” (Infos, Facts, Challenges bezüglich des Themas)

Hier eine kleine Intro, worum es im Podcast heute geht

●     Manche Forscher sagen, dass der weibliche Orgasmus durchaus auch für die Reproduktion, also dem Kindermachen dienlich ist, andere glaube es ist nur ein evolutionsbiologische Rest ist[2] 

●     Die weibliche Ejakulation ist nicht unbedingt das gleiche wie Squirting[3] 

●     Marie Bonaparte, eine gute Bekannte von Freud hat sich doch wirklich operieren lassen, um endlich den “reifen” vaginalen Orgasmus zu bekommen - wie überraschend: ohne Erfolg

●     Auch wenn nur wenige Frauen regelmäßig mehrere Orgasmen hintereinander haben, so haben wir eigentlich[4]  alle die körperlichen Grundlagen multiple Orgasmen zu haben

●     Einige Frauen täuschen Orgasmen vor. Das[5]  Problem dabei ist, dass man dem Partner damit die Nachricht übermittelt, war super, bin gekommen, nächstes mal wieder so

●     Die Penetration ist für die Frau NICHT der beste Weg zum Orgasmus[6] 

“Tiefer eingedrungen”

●     Orgasmus ist nicht gleich Orgasmus, manche sind eher klein und fein und etwas kürzer, andere können lang und mit großer Intensität kommen, manchmal kommen sie alleine, manchmal zu zweit oder noch meh[7] r

●     manchmal scheinen sie von verschiedenen Körperpunkten auszugehen und sich dann auszubreiten,

●     manchmal brechen sie wie eine Welle über uns ein

●     Orgasmen können durch ganz verschiedene Reize ausgelöst werden, manche Frauen kommen immer zum Orgasmus, andere nie.

●     Die Gründe für diese hohe Variabilität sind genauso manigfalitig wie die Orgasmen selbst.

●     Teilweise liegt es an der sehr eigenen Anatomie der Frau und wo entlang welcher Nerv läuft, denn Orgasmen haben natürlich etwas mit Nerven zu tun und wo diese gereizt werden.

●     Die persönliche Verfassung spielt auch eine große Rolle (bin ich gerade gestresst, genervt, erregt, glücklich) aber auch die externen Umstände (wie achtsam ist das sexuelle Gegenüber, wie entspannend ist die Umgebung, warm das Zimmer und so weiter.

WHY WE HAVE orgasms:

-       Einige Forscher sagen, dass der weibliche Orgasmus auch bei der Reproduktion hilft durch Ausschüttung von Hormonen und Kontraktionen, die den Spermien hilft, in die richtige Richtung zu schwimmen.

-       Während Hypokrates noch dachte, die Frau braucht Orgasmus für Schwangerschaft

-       Hatte Aristoteles dies verworfen und gesagt, der Orgasmus sei dafür nicht notwendig. Was für ein Bärendienst für die Frauen cheers Aristoteles

-       Andere sagen, dass der Orgasmus einfach ein Überbleibsel aus der Embryonalzeit

-       Was auch immer, ich bin dankbar, dass wir Orgasmen haben

WAS PASSIERT BEIM ORGASMUS

-       Bei sexueller Aktivität ist zunächst das parasympathische Nervensystem beteiligt, als der Teil des Nervensystems, der z.B. die Verdauung und verschiedene Stoffwechselvorgänge ankurbelt und für Entspannung sorgt. Beim Sex sorgt dieser Teil für eine gute Durchblutung der Genitalien also auch dem Anschwellen und Feucht werden. Wenn wir also gestresst sind, dann passiert da auch meist recht wenig, weshalb eben eine für dich entspannte Umgebung wichtig ist.

-       Während der Sex so voranschreitet aktiviert sich immer mehr eine anderer Teil des Nervensystems ein, nämlich der sogenannte Sympathikus, der sich normalerweise um unsere STresssituationen kümmert und für einen schnelleren Herzschlag und höhere Cortisollevel sorgt.

-       Dieser Anteil des Nervenssystems ist für den Orgasmus am wichtigsten. Wenn jemand beim Sex also abgelenkt ist und nicht wirklich angeregt wird durch das, was sie gerade mit dem Partner macht, wird es schwer werden einen Orgasmus zu bekommen.

-       Frauen brauchen für diesen Wechsel der beiden Nervensysteme im Durchschnitt ca 15min.[8] 

-       Um zum Orgasmus zu kommen helfen oft sehr erregende Fantasien, die dann kurz vor dem Orgasmus zum Einsatz kommen und einen positiven Stress auslösen, so dass es der notwendige Teil des Nervensystems angesprochen wird.

-       Während des Orgasmuses kommt es dann reflexartigen Grimassen im Gesicht, Muskelanspannung und plötzlichem Zusammenziehen von Gesäß- und Bauchmuskeln.

-       Bei Frauen wird der Orgasmus auch durch rhythmische Kontraktionen der Gebärmutter, des Scheidenmantels und des rektalen Schließmuskels begleitet, die dann langsam abklingen.

-       Manche[9]  Frauen haben beim Orgasmus einen Ejakulation von milchiger Flüssigkeit, die aus den Skene Drüsen kommt.

-       Diese Drüsen ähneln dem Gewebe der männlichen Prostata und werden deshalb von manchen weibliche Prostata genannt. Die Flüssigkeit kommt also aus der Harnröhre raus, doch bei vielen sieht man es nicht, da es entweder in der Harnröhre bleibt oder in Richtung Blase abgegeben wird und bei anderen Frauen liegen die Drüsen weiter hinten oder sind nicht so groß ausgebildet

-       Die weibliche Ejakulation dieser wenigen Menge an weißlicher Flüssigkeit ist zu unterscheiden vom Squirting. Beim Squirting wird eine größere Mengen an Flüssigkeit herausgedrückt wird. Der größte Anteil dieser Flüssigkeit ist Urin.

-       Eine Studie an sieben Frauen, die angaben zu squirten wurden mittels Urinanalyse und Ultraschall untersucht während sexueller Aktivität. Bei manchen Frauen ist es nur Urin und bei anderen mischt sich das Sekret der weiblichen Prostata dazu.

-       Die Ultraschall-Untersuchungen der Studie ergaben, dass es sich um Flüssigkeit aus der Blase handelt, die von allen Frauen zwar vor dem Sex geleert wurde, aber sich volständig wieder füllte und nach dem Squirting eben leer war.

-       Die Forscher beschrieben, dass Squirting oft zusammenhängt mit einer Kombination von einem erleichternden emotionalen Zustand, mit extremer Zuversicht und Entspannung und einer direkter mechanischer Stimulation der vorderen Vaginalwand, also um den clito-urethro-vaginal complex herum (von dem ihr vielleicht schon in unserem Anatomie Podcast gehört habt), das also was gemeinhin als G-Punkt bezeichnet wird aber eigentlich eine ganze Zone ist.

-       Für die meisten Frauen ist es ein sexuell bereicherndes Gefühl, als bitte keine Scham, wenn es passiert.

-       Squirting passiert übrigens meist nicht gleichzeitig mit dem Orgasmus zusammen.

-       Bei einer großen Umfrage gaben nur 20% der Frauen an, dabei einen Orgasmus zu haben.

-       In der UK wurde 2014 übrigens das Squirting in Pornos verboten, weil es zu obszön war, während die weibliche Ejakulation der kleinen Menge an weißlicher Flüssigkeit toleriert wird.

-       Viele gehen für eine Anleitung auf Pornoseiten aber da wird auch einfach viel uriniert. Ich empfehle für eine gute Anleitung OMGYes - OMGyes geschrieben - die machen das ganz wunderbar

 WELCHE GIBT ES

-       Wir[10]  hatten in einem anderen Podcast bereits erwähnt, dass Freud ziemlich falsch lag, klitoral und vaginalen Orgasmus zu unterscheiden und außerdem noch zu bewerten, was besser ist.

-       Freud hatte eine Schülerin namens Marie Bonaparte, die selbst Probleme hatte mit ihrem Mann durch Penetrationssex zum Orgasmus zu kommen

-       Sie hat selbst  eine Studie durchgeführt an ca 200Frauen und fand heraus, dass der Abstand zwischen Klitorisspitze und dem Ausgang der Harnröhre und damit dem Vaginaleingang eine Rolle spielt,  ob es für die Frau möglich beim Penis-Vagina-Sex zum Orgasmus zu kommen

-       Je kürzer der Abstand, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau allein durch Penetration einen Orgasmus haben konnte. Das wurde tatsächlich in späteren Studien bestätigt.

-       Allerdings hat der Abstand nichts mit der generellen Fähigkeit zum Orgasmus zu kommen zu tun. Bei Masturbation kamen Frauen mit kürzerem oder längerem Abstand gleich häufig.

-       Die arme Bonaparte hatte Freud so sehr geglaubt, dass der vaginale der einzig wahre Orgasmus ist, dass sie sich ihre Klitoris chirurgisch näher an den Vaginaleingang versetzen ließ. Sie ließ sich dreimal operieren ohne. Das Ergebnis der OP war gar nicht schön.

-       Also was uns das sagt, dass die Anatomie der Vulva sehr individuell ist und man sie deshalb gut kennen sollte, um herauszufinden, was und wo die Stellen sind, die uns einen Orgasmus schenken können

-       Die meisten weiblichen Orgasmen werden ausgelöst durch Stimulation der Klitoris. Im Anatomie-Podcast haben wir besprochen, wie groß die Klitoris tatsächlich ist und dass sie sich von außen nur zu einem ganz kleine Teil zeigt.

-       Bei manchen Frauen verlaufen innere Teile der Klitoris nahe der vorderen Vaginalwand. Dh. das bei Stimulation dieser Stellen, sei es durch einen Penis, einem Finger oder einem Sextoy in der Vagina, auch die Klitioris mitstimuliert wird.

-       Einige Studien und Frauen sagen, dass außerdem die direkte Stimulation des Gebärmutterhalses, also der Verbindung zwischen Vagina und GEbärmutter zum Orgasmus führen kann

-        Forscher fanden heraus, dass die Stimulation der Genitalien einen bestimmten Bereich im Gehirn aktiviert. Interessanterweise wird dieser Bereich eben auch bei der Stimulation der Brustwarze stimuliert, was eben auf eine Verbindung dieser Nervenbahnen hinweist. Deshalb können einige Frauen auch einzig durch das Bearbeiten der Brustwarze zum Höhepunkt kommen.

-       Aber auch andere etwas außergewöhnliche Körperregionen können zum Orgasmus führen wie z.B. Teile des Ohres. Andere Körperteile sind besonders bei Menschen, ausgeprägt, für die die gewöhnlichen Stellen aus irgendwelchen Gründen, z.B. bei Querschnittslähmung ausgefallen sind

-       Das Gehirn hat großartige Fähigkeiten, sich zu adaptieren, weshalb es eben auch Frauen gibt, die ohne jegliche physische externe Stimulation, also rein durch ihre Fantasie oder geistigen Fähigkeiten zum Orgasmus kommen können

-       Auch weniger sexuelle Aktivitäten können zum Orgasmen führen. Hier finde ich den Begriff Coregasm ganz spannend. Core ist der englische Begriff für Rumpf. Corgasm sind Orgasmen, die durch Übungen der unteren Bauchmuskeln und Beckenbodens ausgelöst werden können

-       Ob wir zum Orgasmus kommen hängt nicht nur von der richtigen Stelle ab.

-       Wir sollten v.a. aufhören davon auszugehen, dass es einen Standard-Orgasmus gibt, der immer funktioniert. Dennoch gibt es Stellen, die häufiger klappen und die wir unseren Partnern deutlich machen müssen. Denn, was sie bei einer anderen Sexpartnerin als sehr wirksam kennen gerlernt haben, mag bei mir ganz anders sein

 

Multiple

-       Multiple Orgasmen werden definiert als zwei oder mehr Orgasmen, die in einer einzigen sexuellen Begegnung stattfinden ohne erhebliche Pausen dazwischen

-       Die meisten Frauen haben die Fähigkeit zu multiplen Orgasmen, aber es wird geschätzt, dass nur zwischen 11 und 15% der Frauen multiple Orgasmen erleben, ca die Hälfte davon auch mehr als zwei[11] 

-       In einer größeren Studie zu multiple Orgasmen dauerte der Sex mit Partner[12]  im Durchnitt länger (30-60min), als bei Frauen, die multiple Orgasmen durch Solosex also masturbation hatten. Bei Masturbation konnten schon mehrere Orgasmen innerhalb von 6-14minuten auftreten.

-       Die angegebene Anzahl von Orgasmen in einer sexuellen Session ohne große Pause lag zwischen 2 und 101. Die Gründe warum dann irgendwann aufgehört wurde waren 1. Gefühl der Zufriedenheit, 2. Partner wurde müde und 3. Frau war zu müde weiterzumachen[13] 

-       Interessanterweise[14] , sagten Frauen, die mehrere orgasmen hatten häufiger, dass sie auch an der Brust stimuliert wurden gegenüber Frauen mit nur einem Orgasmus

-       Die Intensität des ersten und zweiten Orgasmus beschrieben die Frauen in dieser Umfrage als sehr ähnlich

-       Die Sexualforscherin Hite fand heraus, dass viele Frauen keinen weiteren Orgasmus wollten, weil sie es unfair und egoistisch fanden, wenn der Mann doch nur einen haben konnte[15] . Das ist schon ein paar Jahre her, aber ich bin mir nicht sicher, ob sich da viel geändert hat. 

Der Orgasmus Gap

●     Schwierigkeiten oder keinen Orgasmus zu bekommen gehört bei Frauen zu den häufigsten Problemen wenn es um Sex geht

●     Eine große amerikanische Umfrage von 2008 kam auf 20% der Frauen, die Schwierigkeiten haben, einen Orgasmus zu erreichen. Also jede[16]  5. Die gleiche Studie fand übrigens auch einen starken Zusammenhang zwischen Depression und sexuellen Beschwerden wie Orgasmusproblemen

●     Die angegebenen Zahlen von Frauen, die noch nie einen Orgasmus erleben durften liegt zwischen 5-10%- eine sogenannte Anorgasmie [17] 

●     Eine große US Studie, die 2017 veröffentlicht wurde, analysierte die Häufigkeit Orgasmus von ca 52.000 Erwachsenen, hetero, nomo, bisexuelle

●     Heterosexuelle Männer gaben am an, dass sie normalerweise immer einen Orgasmus bei sexueller Intimität hatten (in 95%[18] ),

●     gefolgt von schwulen Männern (89%), bisexuellen Männern (88%), lesbischen Frauen (86 %), bisexuelle Frauen (66 %) und heterosexuelle Frauen (65 %).

●     Das wird übrigens - auch in Anlehnung an den Pay Gap zwischen Frau und Mann, als der Orgasmus gap bezeichnet, also die Orgasmus Lücke.

●     Viele Frauen glaube, dass es an ihnen liegt, keinen Orgasmus zu haben.

●     Interessanterweise besteht die Orgasmuslücke jedoch nicht mit Masturbation! Verglichen mit Männern haben wir beim Solosex die gleiche Orgasmusrate

●     Die Hälfte der Frauen scheinen übrigens ihren ersten Orgasmus durch Masturbation zu haben und im Durschnitt ca 5 Jahre vor dem ersten Geschlechtsverkehr . 

●     Bei Heterosex kommen also im Durchschnitt nur 65% der Frauen es sei denn es handelt sich um Gelegenheitssex[19] , dann sind es nur 18%! Kein Wunder, wenn Frauen nicht auf one-night stands stehen)

●     Bei lesbischen Beziehung gibt es wie gesagt keine so starke Differenz. Hier scheint ein großer Unterschied zu sein, dass es beim Sex zwischen Frauen mehr Abwechslung gibt und öfter mal zwischen den Praktiken, wie Oral oder manuell gewechselt wird.

●     In ihrem Buch “Mind the Gap” beschreibt Dr. Karen Gurney, dass Sex zwischen Frauen nicht nur zu mehr Orgasmen, sondern auch mehr sexueller Befriedung führt. Öfter Orgasmen, öfter multiple Orgasmen, wenn nur Frauen am Start sind. Hier fehlt eben auch das sexuelle Skript, dass nur penetrativer Sex “richtiger” Sex ist.  

●     Immernoch glauben viele Männer, dass Frauen von Penis-Vagina Sex alleine kommen. Eine Studie an ca 800 Studenten konnte zeigen, dass ca ⅓ der Männer das noch glaubten

●     Der Druck, einen Orgasmus zu bekommen kann groß sein, ob von der Frau selbst, die sich wünscht, den Partner zufrieden zu stellen oder vom Partner, für den es wichtig ist, dass er die Frau befriedigt hat.

Vorgetäuscht Orgasmen

●     Außerdem gibt es ein Wahrnehmungsproblem. Wesentlich mehr Männer gaben  an, dass auch ihre Partnerin meist oder immer zum Orgasmus kommt, was ja statistisch einfach nicht zusammenpasst

●     Also entweder sagten die Männer einfach, dass die Frau gekommen war, weil sie nicht darauf achteten oder die Frau gab recht eindeutige Zeichen, die auf einen Orgasmus hinwiesen. In jedem Fall gehören zwei dazu.

●     Wir kommen schon zu selten und vortäuschen ist zwar verständlich aber leider absolut kontraproduktiv

●     Eine Umfrage bei Studenten der University of Kansas fand heraus, dass bereits 67% der STudentinnen bereits einen Orgasmus vorgetäuscht hatten, wie übrigens auch 28% der männlichen STudenten, was mir nicht bewusst war.

●     Einige Gründe für vorgetäuschte ORgasmen sind “damit es endlich vorbei ist”, “ er hat zu schnell gerammelt”, “ich wollte schlafen”, “Angst vor Zurückweisung”, Angst, der Partner sei sonst enttäuscht”; “damit er sich gut fühlt”, “ich weiß es auch nicht”, “ich hatte das Gefühl, ich müsste jetzt”

●     Das Problem mit vorgesttäuschten Orgasmen ist, dass sie vielleicht kurzfristig einen Vorteil zu haben scheinen, aber beim Partner kommt die Nachricht an, “das bringt sie zum Orgasmus”, “das mach ich nächstes Mal wieder, denn ich will ja, dass sie auch kommt”.

●     Da in Beziehungen viel zu wenig über Sex gesprochen wird, ist der Orgasmus oder die körperlichen Signale oft die einzigen Hinweise für beide Seiten, zu wissen, ob man die richtigen Vorlieben trifft

●     Man sollte meinen, dass sich das Problem der Orgasmuslück mit dem ganzen Angebot für Aufklärung im Internet nach und nach löst. Die Zahlen sprechen leider eher dagegen und deuten sogar auf eine Verschlechterung des Orgasm Gap hin.

●     In einer nationalen Studie in Finnland 2015, haben 9% der Frauen an, beim Geschlechtsverkehr nie einen Orgasmus zu haben, das war mehr als in früheren Studien, wo es noch 4–7% waren. Besonders Frauen unter 35 waren betroffen, hier waren es sogar 14% in der 2015 Umfrage. Nur 38% gaben an, normalerweise beim Sex zum Orgasmus zu kommen. Viele stuften den Orgasmus des Partners als wichtiger ein, als den eigenen. Und dabei gehört Finnland hinsichlich Geschlechtergleichstellung zu den Vorreitern. Wieso verschlechtert sich der Orgasmus Gap?

 

WIE KOMME ICH AM BESTEN  

●     Es ist ja schön, dass es so viele verschiedene Arten gibt, zum Orgasmus zu kommen. Was ist, wenn ich aber nicht weiß, wie es bei mir klappen soll? Oder was kann ich ausprobieren, um noch schönere Orgasmen zu haben?

●     Wie ich am besten komme, hängt natürlich von mir und meinem Körper ab. Ich habe aber mal aus Studien und gut recherchierten Büchern einige wissenswerte Punkte zusammengetragen

●     Erst mal vorweg, die meisten Forscher gehen davon aus, dass jede Frau Orgasmen bekommen kann und Orgasmus eine Trainingsfrage ist

●     Es gibt einige wenige Erkrankungen, die es Frauen erschweren können, einen Orgasmus zu bekommen. Nervenschädigungen durch Entzündungen, Verletzungen im Genitalbereich, manchmal durch Geburt, sexuelle Gewalt oder Genitalverstümmelung können Orgasmen erschweren oder unmöglich machen. Aber wie gesagt, diese Ursachen sind sehr sehr selten. Medikamente gegen Bluthochdruck und Depression können die Orgasmusfunktion auch so sehr durcheinander bringen, dass es nicht mehr geht.

●     Für die Fragen nach dem “wie” kann ich besonders die wunderbare Webseite OMGYes ans Herz legen, die mit anschaulichen Videos und auf sehr liebevolle Art und Weise beschreibt und erklärt, was es alles gibt an Stimulation und wie man sich da herantastet.

●     Es gibt unmengen an populären ARtikeln, welche Position die Frau am besten zum Orgasmus kommen lässt. OMGYes, hat durch ihre Studien an 20.000 Frauen eine einfach Formel entwickelt: die besten Stellungen sind die, die Platz schaffen, damit Finger oder ein Vibrator die Klitoris von außen mit stimulieren lassen.[20] 

●     Eine andere Studie hat sich auch nochmal genauer angeschaut, wie Frauen am ehesten kommen.

●     Für weniger als 20 % der Frauen war Geschlechtsverkehr genug, um zum Höhepunkt zu kommen, bei fast 40 % war eine zusätzliche klitorale Stimulation während des Geschlechtsverkehrs für einen Orgasmus notwendig ist,

●     Frauen und Männer haben ja ähnliche Bausteine, die über die Zeit im Mütterlichen Bauch andere Wege gehen und sich an andere Orten niederlassen.

●     Während das Pendant zum Penis beim Mann die Klitoris der Frau ist, ist das Pendant zur Vagina das prostatische Utrikel. Noch nie gehört...tja, wie die Vagina eben nicht so wichtig für den Orgasmus der Frau ist, ist das prostatische Utrikel nicht wichtig für den Orgasmus des Mannes. Das prostatische Utrikel, was eigentlich korrekter die männliche Vagina genannt werden sollte, ist ein ca 2cm langer Bereich der Harnröhre innerhalb der Prostata Drüse.

●     Wie auch penetrativer Sex durchaus was schönes haben kann, kann auch die Stimulation der Prostata beim Mann was schönes haben… aber allein dadurch, also ohne Stimulation des Penises zum Orgasmus zu kommen, ist schwierig. Daran sollten Männer denken, wenn sie enttäuscht sind, wenn Frauen bei der Penetration nicht kommen.

●     Keine Überraschung also, die Mehrheit der Frauen benötigt die klitorale Stimulation, um zum Höhepunkt zu kommen

●     Hier mal eine praktische Liste von Punkten, die in Studien von Frauen angegeben wurden, die häufiger zum Orgasmus kamen.

●     Frauen kommen öfter, wenn sie

○      mehr Oralsex haben

○      Längeren Sex haben

○      Tiefe Küsse erleben

○      Auch manuell genital stimuliert wurden

○      zufriedener mit ihrer Beziehung sind

○      sich trauten, nach dem zu fragen, was sie im Bett wollen

○      ihren Partner für etwas loben, was er/sie im Bett machte

○      Mal anrufen/emailen, um etwas ein sexuelles Vorhaben anzukündigen

○      Mehr Abwechlung in Stellungen und sexuellen Reize erlebten

○      auch mal anale Stimulation ausprobieren

○      Beim Sex öfter mal die aktive Rolle übernehmen

○      Wenn sie Fantasien ausleben

○      über Sex sprechen

○      und ihre Liebe beim Sex ausdrücken.

●     Oralsex erhöhte übrigens signifikant die Wahrscheinlichkeit, einen Orgasmus zu haben bei allen Gruppen, außer bei hetero Männern[21] 

●     "Intercourse is okay," sagte die amerikanische Sexualpädagogin Dr. Betty Dodson "But I much prefer a talented tongue on my clitoris."[22] 

●     Frauen mit hohem sexuellen Selbstbewusstsein (sowas wie, ich bin gut und geschickt im Bett) und kamen leichter und häufiger zum Orgasmus, also Frauen, die sich schlechter einschätzen. Also das stärken des eigenen Selbstbewusstseins hilft.

●     Die meisten Frauen kommen leichter und regelmäßiger durch Solosex zum Orgasmus als beim Sex mit Partner

●     Nicht überraschend aber immer wieder hervorhebenswert, meiner Meinung nach war, dass gute sexuelle Kommunikation zwischen den Partnern fast genauso viel den weiblichen Orgasmus begünstigte wie die richtige Sexualtechniken.

●     Die erwähnte finnische Studie beinhaltete eine Frage dazu, wie Frauen gelernt hatten, das Liebesspiel intensiver zu genießen und Orgasmen zu erleben. Fast die Hälfte der Frauen gab an, dies erreicht zu haben, indem sie lernten, sich selbst und ihren Körper zu akzeptieren und indem sie sich ganz auf das Liebesspiel konzentrierten.

●     Bei einem Drittel der Frauen hing es auch vom Finden des richtigen Sex-Partners ab

LÄNGE[23]  IST WICHTIG

●     Im Durchschnitt ist die Latenzzeit also die Zeit von Beginn der Stimulation bis zum Orgasmus bei Frauen länger als bei Männern. Dabei kommt es natürlich auf viele Faktoren an, wie Art der Stimulation und Stellung. Beim Penetrationssex kommen Männer im Durchschnitt nach 5min. [24] 

●     Da Frauen im Durchschnitt eine höhere Latenzzeit haben und es bei Sex mit Partner ca 14min dauert, wäre es geschickt, die vaginale Penetration eher hinauszuzögern. Bei Masturbation benötigen Frauen im Durchschnitt ca 8Minuten zum Höhepunkt, aber 30Sekunden ist durchaus auch möglich. Das zeigt v.a. Wie schnell Frau kommen kann, wenn man den richtigen Ort stimuliert und sich gerade danach fühlt.

●     Ich frage mich, wie das Sex-Hauptgang-Menü aussähe, wenn unser sexuelle Skript nicht vorwiegend von einem Geschlecht geprägt worden wäre?

Vielleicht erstmal manuelle oder orale Stimulation der Klitoris durch den Partner - erster Orgasmus der Frau - kurze Entspannungspause - erneute manuelle oder orale Stimulation, je nach Fitness jetzt schon Penis-Vagina Sex oder später, in jedem Fall ist die Klitoris mit im Spiel - nächster weiblicher Orgasmus und vielleicht das ganze von vorne - bis dann nach kurzer Penetration auch der sehr erregte und erfüllte Mann einen schönen Orgasmus hat. Aber die Welt ist halt doch noch ne Scheibe. [25]

“Am ende, das wichtigste nochmal auf den G-Punkt gebracht”

●     Wenn du keinen Orgasmus hast, bist du nicht krank, sondern hast deinen Weg dahin einfach noch nicht gefunden. Natürlich musst du dich nicht auf die Suche begeben, aber dein Körper bietet dir alles, dass du es kannst[26] 

●     Wie leicht es fällt, einen Orgasmus zu bekommen hängt stark mit der sexuellen Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein sowie der sexuellen Kommunikation mit dem Partner zusammen - genau das wollen wir mit being female bessern

●     Top 3, wie Frauen am zuverlässigsten zum Orgasmen?

○      No Uno: Masturbation

○      Due: Stimulation der Klitoris durch die Hand des Partners

○      Tres: Oralsex und dann erst folgt Penetrationssex, also Geschlechtsverkehr

Der Mann kommt am zuverlässigsten durch Penetration und Masturbation[27] 

●     Bei Sex der mehr als 15min dauert hat die Frau eine höhere Wahrscheinlichkeit zum Orgasmus zu kommen. Interessanter Weise sind Männer stolz, wenn sie 15min aufrecht bleiben können. Warum sind wir nicht auch stolz darauf, längeren Sex und multiple Orgasmen haben zu können?

Outro

Was ist dein Lieblingsorgasmus, was funktioniert bei dir am besten?

Wenn du Lust hast, das zu teilen, Feedback zu geben oder Wünsche zu äußern, schreib uns auf Instagram oder eine Email an hallo@beingfemale.de. Die wichtigstens Infos und alle Studienquellen findest du auch auf der Webseite beingfemale.de

Empfehlungen

●     Mind the gap - Dr. Karen Gurney

●     Book: The Button von Wednesday Martin

Quellen zum Podcast

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  • Book: Vagina von Naomie Woolf

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  • Book: The Button von Wednesday Martin

  • Pfaus JG, Quintana GR, Mac Cionnaith C, Parada M. The whole versus the sum of some of the parts: toward resolving the apparent controversy of clitoral versus vaginal orgasms. Socioaffect Neurosci Psychol. 2016;6:32578. Published 2016 Oct 25. doi:10.3402/snp.v6.32578

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